Höflichkeit entsteht in der Regel Zuhause – oder gar nicht.

Echte Höflichkeit erwächst normalerweise aus der Achtung vor dem Individuum, und die lernen wir – oder auch nicht – als Kind kennen. Wenn wir von den anderen Familienmitgliedern mit Respekt behandelt werden, lernen wir, sie gleichfalls zu respektieren.

Die Selbstachtung, die aus dem Bewusstsein erwächst, von den Menschen, die uns am meistern bedeuten, als einzigartige Persönlichkeit anerkannt zu werden, hilft uns, die Selbstsicherheit zu entwickeln, die wir später brauchen werden, um etwas aus unserem Leben zu machen. Höflichkeit und Rücksichtnahme sind Gewohnheiten, die uns – einmal erworben – in der Regel ein Leben lang erhalten bleiben.

Oberflächlich betrachtet, mag Höflichkeit als eine relativ belanglose Tugend erscheinen, aber sie ist der Ausdruck grundlegender charakterlicher Werte. Wichtiger noch – wenn Sie sich angewöhnen, andere zu respektieren, ist die Wahrscheinlichkeit um so größer, dass Sie auch anderen Respekt einflößen.

Zuviel Wahrheit erbost manche Menschen mehr als zuwenig

Vielleicht haben Sie als Kind auch manchmal das „Ehrlichkeitsspiel“ gespielt. Die Regeln sind denkbar einfach: Für die Dauer des Spiels müssen alle Teilnehmer – komme was wolle – die Wahrheit sagen. Dann stellen sie sich gegenseitig mehr oder weniger verfängliche Fragen und „Gefällt Dir mein Haar?“ oder „Findest du Klaus nett?“ und so weiter.

Früher oder später wird mit Sicherheit jemand wütend, wenn er entdecken muss, dass seine Freunde ihm gegenüber bislang nicht aufrichtig gewesen sind und ihn aus Rücksichtnahme angelogen haben. Das ist eine Lektion, die man auch, und besonders als Kind, nicht so schnell wieder vergisst.

Anderen gegenüber ehrlich zu sein ist nicht damit gleichbedeutend, brutal zu sein. Es ist nicht notwendig, den Leuten unter einem Vorwand der Offenheit – und “weil es nur zu ihrem Besten ist“ – rücksichtslos oder verletzend alles zu sagen, was man an ihnen nicht mag.

Manchmal ist es besser, wenn wir nicht von jedem wissen, was er tief in seinem Innersten von uns hält. Respekt vor der Selbstachtung unserer Mitmenschen bedeutet oftmals, ihnen eher zu wenig als zu viel von der Wahrheit zu sagen.

Es ist kinderleicht, Unehrlichkeit zu rechtfertigen,

… wenn man damit seinen Lebensunterhalt verdient.

Das Unterbewusstsein fällt keine moralischen Urteil. Wenn Sie sich etwas immer und immer wieder vorsagen, wir Ihr Unterbewusstsein selbst die offenkundigste Lüge zu guter Letzt als Wahrheit akzeptieren.

Menschen, deren Leben und berufliche Laufbahn durch unehrliches Verhalten zerstört wurden, leiteten den Prozess der Selbstzerstörung in dem Augenblick ein, als sie sich einredeten, ein einziger kleiner Verstoß gegen die Regeln würde „schon nichts ausmachen“. Wenn sie sich etwas einreden wollen, vergewissern Sie sich zuerst, dass es etwas für Sie selbst Positives und für andere zumindest Unschädlich ist.

Nicht nur negative Gedanken und Taten fallen auf ihren Urheber zurück – positive ebenso. Wenn Sie sich eines ehrlichen, ethisch einwandfreien Verhaltens befleißigen, setzen Sie eine „Kraft zum Guten“ in Gang, die immer wieder zu Ihnen zurückkehren wird.

Ehrlichkeit ist eine seelische Eigenschaft, deren Wert sich nicht in Geld ausdrücken lässt.

Es gibt viele praktische Gründe, warum man ehrlich sein sollte.

Es erfordert weit weniger Mühe, ehrlich zu sein, als zu betrügen, und langfristig gesehen sind die Risiken geringer und die Früchte größer. In der heutigen Gesellschaft aber ist die Grenze zwischen noch vertretbarem und inakzeptablem Verhalten zum Teil so fließend geworden, dass sie mitunter nicht mehr zu erkennen ist.

Gesetze legen die absolute Untergrenze vertretbaren Verhaltens fest. Sorgen Sie dafür, dass Ihre ethischen Richtwerte deutlich höher liegen und dass Sie sie nie unterschreiten, gleichgültig, was die anderen tun oder sagen mögen.

Eigene Wertmaßstäbe werden Ihnen erlauben, sich angesichts eines schwierigen Problems rasch und mühelos für eine angemessene Vorgehensweise zu entscheiden.

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